Elegie

»Was soll ich nun …«

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»Was soll ich nun …«
Quelle der vorläufigen Titeldaten
WA I 3, 21-26
Kennung in der Forschungsdatenbank so:fie
90324

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Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,
Gab mir ein Gott zu sagen was ich leide.
Was soll ich nun vom Wiedersehen hoffen,
Von dieses Tages noch geschloss'ner Blüthe?
Das Paradies, die Hölle steht dir offen;
Wie wankelsinnig regt sich's im Gemüthe! -
Kein Zweifeln mehr! Sie tritt an's Himmelsthor,
Zu Ihren Armen hebt sie dich empor.
So warst du denn im Paradies empfangen
Als wärst du werth des ewig schönen Lebens;
Dir blieb kein Wunsch, kein Hoffen, kein Verlangen,
Hier war das Ziel des innigsten Bestrebens,
Und in dem Anschaun dieses einzig Schönen
Besiegte gleich der Quell sehnsüchtiger Thränen.
Wie regte nicht der Tag die raschen Flügel,
Schien die Minuten vor sich her zu treiben!
Der Abendkuß, ein treu verbindlich Siegel:
So wird es auch der nächsten Sonne bleiben.
Die Stunden glichen sich in zartem Wandern
Wue Schwestern zwar, doch keine ganz den andern.
Der Kuß der letzte, grausam süß, zerschneidend
Ein herrliches Geflecht verschlungner Minnen.
Nun eilt, nun stockt der Fuß die Schwelle meidend,
Als trieb ein Cherub flammend ihn von hinnen;
Das Auge starrt aus düstrem Pfad verdrossen,
Es blickt zurück, die Pforte steht verschlossen.
Und nun verschlossen in aich selbst, als hätte
Dieß Herz sich nie geöffnet, selige Stunden
Mit jedem Stern des Himmels um die Wette
An ihrer Seite leuchtend nichts empfunden;
Und Mißmuth, Reue, Vorwurf, Sorgenschwere
Belasten's nun in schwüler Atmosphäre.
Ist denn die Welt nicht übrig? Felsenwände
Dine sie nicht mehr gekrönt von heiligen Schatten?
Die Erndte reift sie nicht? Ein grün Gelände
Zieht sich's nicht hin am Fluß durch Busch und Matten?
Und wölbt sich nicht das überweltlich Große
Gestaltenreiche, bald gestaltenlose?
Wie leicht und zierlich, klar und zart gewoben,
Schwebt, Seraph gleich, aus ernster Wolken Chor,
Als glich es ihr, am blauen Aether droben,
Ein schlank Gebild aus lichtem Duft empor;
So sahst du sie in frohem Tanze walten
Die Lieblichste der lieblichsten Gestalten.
Doch nur Momente darfst dich unterwinden
Ein Luftgebild statt ihrer fest zu halten;
Ins Herz zurück, dorst wirst du's besser finden,
Dort regt sie sich in wechselnden Gestalten;
Zu Vielen bildet Eine sich hinüber,
So tausendfach, und immer immer lieber.
Wie zum Empfang sie an den Pforten weilte
Und mich von dannauf stufenweise beglückte;
Selbst nach dem letzten Kuß mich noch ereilte,
Den letztesten mir auf die Lippen drückte:
So klar beweglich bleibt das Bild der Lieben,
Mit Flammenschrift, ins treue Herz geschrieben.
Ins Herz, das stets wie zinnenhohe Mauer
Sich ihr bewahrt und sie in sich bewahret,
Für sie sich freut an seiner eignen Dauer,
Nur weiß von sich, wenn sie sich offenbaret,
Sich freier fühlt in so geliebten Schranken
Und nur noch schlägt, für alles ihr zu danken.
War Fähigkeit zu lieben, war Bedürfen
Von Gegenliebe weggelöscht, verschwunden;
Ist hoffnungslust zu freudigen Entwürfen,
Entschlüssen, rascher That sogleich gefunden!
Wenn Liebe je den Liebenden begeistet,
Ward es an mir auf's lieblichste geleistet;
Und zwar durch ste! - Wie lag ein innres Bangen
Auf Geist und Körper, unwillkommner Schwere:
Von Schauerbildern rings der Blick umfangen
Im wüsten Raum beklommner Herzenleere;
Nun dämmert Hoffnung von bekannter Schwelle,
Sie selbst erscheint in milder Sonnenhelle.
Dem Frieden Gottes, welcher euch hienieden
Mehr als Vernunft beteiliget - wir lesen's -
Vergleich ich wohl der Liebe heitern Frieden
In Gegenwarz des allgeliebten Wesens;
Da ruht das Herz und nichts vermag zu stören
Den tiefsten Sinn, den Sinn ihr zu gehören.
In unsers Busens Reine wogt ein Streben,
Sich einem höhern, reinern, unbekannten,
Aus Dankbarkeit freiwillig hinzugeben,
Enträthselnd sich des ewig Ungenannten;
Wir heißen's: fromm seyn! - Solcher seligen Höhe
Fühl' ich mich theilhaft, wenn ich vor ihr stehe.
Vor ihrem Blick, wie vor der Sonne Walten,
Vor ihrem Athem, wie vor Frühlingslüften,
Zerschmilzt, so längst sich eisig starr gehalten,
Der Selbstsinn tief in winterlichen Grüften;
Kein Eigennutz, kein Eigenwille dauert,
Vor ihrem Kommen sind sie weggeschauert.
Es ist als wenn sie sagte: "Stund um Stunde
Wird uns das Leben freundlich dargeboten,
Das Gestrige ließ uns geringe Kunde,
Das Morgende, zu wissen ist's verboten;
Und wenn ich je mich vor dem Abend scheute,
Die Sonne sank und sah noch was mich freute.
Drum thu' wie ich und schaue, froh verständig,
Dem Augenblick in's Auge! Kein Verschieben!
Begegn' ihm schnell, wohlwollend wie lebendig,
Im Handeln sey's zur Freude, sey's dem Lieben;
Nur wo du bist sey alles, immer kindlich,
So bist du alles, bist unüberwindlich."
Du hast gut reden, dacht' ich, zum Geleite
Gab dir ein Gott die Gunst des Augenblickes,
Und jeder fühlt an deiner holden Seite
Sich Augenblicks den Günstling des Geschicktes;
Mich schreckt der Wink von dir mich zu entfernen,
Was hilft es mir so hohe Weisheit lernen!
Nun bin ich fern! Der jetzigen Minute
Was ziemt denn der? Ich wüßt' es nicht zu sagen;
Sie bietet mir zum Schönen manches Gute,
Das lastet nur, ich muß mich ihm entschlagen;
Mich treibt umher ein unbezwinglich Sehnen,
Da bleibt kein Rath als gränzenlose Thränen.
So quellt den fort! und fließet unaufhaltsam;
Doch nie geläng's die innre Gluth zu dämpfen!
Schon rast's und reißt in meiner Brust gewaltsam,
Wo Tod und Leben grausend sich bekämpfen.
Wohl Kräuter gäb's, des Körpers Qual zu stillen;
Allein dem Geist fehlt's am Entschluß und Willen,
Fehlt's am Begriff, wie sollt' er sie vermissen?
Er wiederholt ihr Bild zu tausendmalen.
Das zaubert bald, bald wird es weggerissen,
Undeutlich jetzt und jetzt im reinsten Strahlen;
Wie könnte dieß geringstem Troste frommen?
Die Ebb' und Fluth, das Gehen wie das Kommen!
Verlaßt mich hier, greteue Weggenossen!
Laßt mich allein am Fels, in Moor und Moss;
Nur immer zu! euch ist die Welt erschlossen,
Die Erde weit, der Himmel hehr und groß;
Betrachtet, forscht, die Einzelheiten sammelt,
Naturgeheimniß werde nachgesammelt.
Mir das das All, ich bin mir selbst verloren,
Der ich noch erst den Göttern Liebling war;
Sie prüften mich verliehen mir Pandoren,
So reich an Gütern, reicher an Gefahr;
Sie drängten mich zum gabeseligen Munde,
Sie trennen mich, und richten mich zu Grunde.
In unsers Busens Reine wohnt ein Streben
Sich einem Höhern, Reinern, Unbekannten
Aus Dankbarkeit freywillig hinzugeben,
Enträthselnd sich den ewig Ungenannten;
Wir heißen's Frommseyn -
🚧
Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,
Gab mir ein Gott zu sagen was ich leide.
Was soll ich nun vom Wiedersehen hoffen,
Von dieses Tages noch geschloss'ner Blüthe?
Das Paradies, die Hölle steht dir offen;
Wie wankelsinnig regt sich's im Gemüthe! -
Kein Zweifeln mehr! Sie tritt an's Himmelsthor,
Zu Ihren Armen hebt sie dich empor.
So warst du denn im Paradies empfangen
Als wärst du werth des ewig schönen Lebens;
Dir blieb kein Wunsch, kein Hoffen, kein Verlangen,
Hier war das Ziel des innigsten Bestrebens,
Und in dem Anschaun dieses einzig Schönen
Versiegte gleich der Quell sehnsüchtiger Thränen.
Wie regte nicht der Tag die raschen Flügel,
Schien die Minuten vor sich her zu treiben!
Der Abendkuß, ein treu verbindlich Siegel:
So wird es auch der nächsten Sonne bleiben.
Die Stunden glichen sich in zartem Wandern
Wie Schwestern zwar, doch keine ganz den andern.
Der Kuß der letzte, grausam süß, zerschneidend
Ein herrliches Geflecht verschlungner Minnen.
Nun eilt, nun stockt der Fuß die Schwelle meidend,
Als trieb ein Cherub flammend ihn von hinnen;
Das Auge starrt auf düstrem Pfad verdrossen,
Es blickt zurück, die Pforte steht verschlossen.
Und nun verschlossen in sich selbst, als hätte
Dieß Herz sich nie geöffnet, selige Stunden
Mit jedem Stern des Himmels um die Wette
An ihrer Seite leuchtend nicht empfunden;
Und Mißmuth, Reue, Vorwurf, Sorgenschwere
Belasten's nun in schwüler Atmosphäre.
Ist denn die Welt nicht übrig? Felsenwände
Sind sie nicht mehr gekrönt von heiligen Schatten?
Die Erndte reift sie nicht? Ein grün Gelände
Zieht sich's nicht hin am Fluß durch Busch und Matten?
Und wölbt sich nicht das überweltlich Große
Gestaltenreiche, bald gestaltenlose?
Wie leicht und zierlich, klar und zart gewoben,
Schwebt, Seraph gleich, aus ernster Wolken Chor,
Als glich es ihr, am blauen Aether droben,
Ein schlank Gebild aus lichtem Duft empor;
So sahst du sie in frohem Tanze walten
Die Lieblichste der lieblichen Gestalten.
Doch nur Momente darfst dich unterwinden
Ein Luftgebild statt ihrer fest zu halten;
In's Herz zurück, dort wirst du's besser finden,
Dort regt sie sich in wechselnden Gestalten;
Zu vielen bildet Eine sich hinüber,
So tausendfach, und immer immer lieber.
Wie zum Empfang sie an den Pforten weilte
Und mich von dannauf flutenweis beglückte;
Selbst nach dem letzten Kuß mich noch ereilte,
Den letztesten mir auf die Lippen drückte:
So klar beweglich bleibt das Bild der Lieben,
Mit Flammenschrift, in's treue Herz geschrieben.
In's Herz, das fest wie zinnenhohe Mauer
Sich ihr bewahrt und sie in sich bewahret,
Für sie sich freut an seiner eignen Dauer,
Nur weiß von sich, wenn sie sich offenbaret,
Sich freier fühlt in so geliebten Schranken
Und nur noch schlägt, für alles ihr zu danken.
War Fähigkeit zu lieben, war Bedürfen
Von Gegenliebe weggelöscht, verschwunden;
Ist hoffnungslust zu freudigen Entwürfen,
Entschlüssen, rascher That sogleich gefunden!
Wenn Liebe je den Liebenden begeistet,
Ward es an mir auf's lieblichste geleistet;
Und zwar durch sie! - Wie lag ein innres Bangen
Auf Geist und Körper, unwillkommner Schwere:
Von Schauerbildern rings der Blick umfangen
Im wüsten Raum beklommner Herzensleere;
Nun dämmert Hoffnung von bekannter Schwelle,
Sie selbst erscheint in milder Sonnenhelle.
Dem Frieden Gottes, welcher euch hinieden
Mehr als Vernunft beseliget - wir lesen's -
Vergleich' ich wohl der Liebe heitern Frieden
In Gegenwarz des allgeliebten Wesens;
Da ruht das Herz und nichts vermag zu stören
Den tiefsten Sinn, den Sinn ihr zu gehören.
In unsers Busens Reine wogt ein Streben,
Sich einem höhern, reinern, unbekannten,
Aus Dankbarkeit freiwillig hinzugeben,
Enträthselnd sich den ewig Ungenannten;
Wir heißen's: fromm seyn! - Solcher seligen Höhe
Fühl' ich mich theilhaft, wenn ich vor ihr stehe.
Vor ihrem Blick, wie vor der Sonne Walten,
Vor ihrem Athem, wie vor Frühlingslüften,
Zerschmilzt, so längst sich eisig starr gehalten,
Der Selbstsinn tief in winterlichen Grüften;
Kein Eigennutz, kein Eigenwille dauert,
Vor ihrem Kommen sind sie weggeschauert.
Es ist als wenn sie sagte: "Stund um Stunde
Wird uns das Leben freundlich dargeboten,
Das Gestrige ließ uns geringe Kunde,
Das Morgende, zu wissen ist's verboten;
Und wenn ich je mich vor dem Abend scheute,
Die Sonne sank und sah noch was mich freute.
Drum thu' wie ich und schaue, froh verständig,
Dem Augenblick in's Auge! Kein Verschieben!
Begegn' ihm schnell, wohlwollend wie lebendig,
Im Handeln sey's zur Freude, sey's dem Lieben;
Nur wo du bist sey alles, immer kindlich,
So bist du alles, bist unüberwindlich."
Du hast gut reden, dacht' ich, zum Geleite
Gab dir ein Gott die Gunst des Augenblickes,
Und jeder fühlt an deiner holden Seite
Sich Augenblicks den Günstling des Geschickes;
Mich schreckt der Wink von dir mich zu ertfernen,
Was hilft es mir so hohe Weisheit lernen!
Nun bin ich fern! der jetzigen Minute
Was ziemt denn der? Ich wüßt' es nicht zu sagen;
Sie bietet mir zum Schönen manches Gute,
Das lastet nur, ich muß mich ihm entschlagen;
Mich treibt umher ein unbezwinglich Sehnen,
Da bleibt kein Rath als gränzenlose Thränen.
So quellt denn fort! und fließet unaufhaltsam;
Doch nie geläng's die innre Gluth zu dämpfen!
Schon rast's und reißt in meiner Brust gewaltsam,
Wo Tod und Leben grausend sich bekämpfen.
Wohl Kräuter gäb's, des Körpers Qual zu stillen;
Allein dem Geist fehlt's am Entschluß und Willen,
Fehlt's am Begriff: wie sollt' er sie vermissen?
Er wiederholt ihr Bild zu tausendmalen.
Das zaubert bald, bald wird es weggerissen,
Undeutlich jetzt und jetzt im reinsten Strahlen;
Wie könnte dieß geringstem Troste frommen,
Die Ebb' und Fluth, das Gehen wie das Kommen?
Verlaßt mich hier, getreue Weggenossen!
Laßt mich allein am Fels, in Moor und Moos;
Nur immer zu! euch ist die Welt erschlossen,
Die Erde weit, der Himmel hehr und groß;
Betrachtet, forscht, die Einzelheiten sammelt,
Naturgeheimniß werde nachstammelt.
Mir ist das All, ich bin mir selbst verloren,
Der ich noch erst den Göttern Liebling war;
Sie prüften mich, verliehen mir Pandoren,
So reich an Gütern, reicher an Gefahr;
Sie drängten mich zum gabeseligen Munde,
Sie trennen mich, und richten mich zu Grunde.
In unseres Busens Reine wohnt ein Streben
Sich einen höhern Höhern , reinern Reinern , unbekannten Unbekannten
Aus Dankbarkeit freywillig hinzugeben ,
Enträthseln Enträthselnd sich den ewig Ungenannten;
Wir heissens Frommseyn –
In unseres Busens Reine wohnt ein Streben
Sich einem Höhern, Reinern, Unbekannten,
Aus Dankbarkeit freywillig hinzugeben,
Enträthselnd sich den ewig Ungenannten;
Wir heissens Frommseyn –
In unseres Busens Reine wohnt ein Streben
Sich einen einem Höhern, Reinern Unbekannten,
Aus Dankbarkeit freywillig hinzugeben,
Enträthselnd sich den ewig Ungenannten;
Wir heißens Frommseyn –
🚧
Was soll ich nun vom Wiedersehen hoffen,
Von dieses Tages noch geschlossner Blüte?
Das Paradies, die Hölle steht dir offen;
Wie wankelsinnig regt sich's im Gemüthe! –
Kein Zweifeln mehr! Sie tritt an's Himmelsthor,
Zu Ihren Armen hebt Sie dich empor.
Was soll ich nun vom Wiedersehen hoffen,
Von dieses Tages noch geschlossener geschloss'ner Blüte?
Das Paradies, die Hölle steht dir offen;
Wie wankelsinnig regt sich's im Gemuthe Gemüthe ! -
Kein Zweifeln mehr! Sie tritt ans Himmelsthor,
Zu Ihren Armen hebt Sie dich empor.
So warst du denn im Paradies empfangen,
Als wärst du werth des ewig schönen Lebens;
Dir blieb kein Wunsch, kein Hoffen, kein Verlangen,
Hier war das Ziel des innigsten Bestrebens,
Und in dem Anschaun dieses einzig Schönen
Versiegte gleich der Quell sehnsüchtiger Thränen.
Wie regte nicht der Tag die raschen Flügel,
Schien die Minuten vor sich her zu treiben!
Der Abendkuß, ein treu verbindlich Siegel:
So wird es auch der nächsten Sonne bleiben.
Die Stunden glichen sich in zartem Wandern,
Wie Schwestern zwar, doch keine ganz den andern.
Der Kuß der letzte, grausam süß, zerschneidend
Ein herrliches Geflecht verschlungner Minnen.
Nun eilt, nun stockt der Fuß die Schwelle meidend,
Als trieb ein Cherub flammend ihn von hinnen;
Das Auge starrt auf düstrem Pfad verdrossen,
Es blickt zurück; die Pforte steht verschlossen.
Und nun verschlossen in sich selbst, als hätte
Dies Dieß Herz sich nie geöffnet, selige Stunden
Mit jedem Stern des Himmels um die Wette
An Ihrer Seite leuchtend nicht empfunden;
Und Mismuth, Reue, Vorwurf, Sorgenschweere
Belasten's nun in schwüler Athmosphaere. Atmosphaere.
Ist denn die Welt nicht übrig? - Felsenwände
Sind sie nicht mehr gekrönt von heiligen Schatten?
Die Erndte reift sich nicht? Ein grün Gelände
Zieht sich's nicht hin am Fluß durch Busch und Matten?
Und wölbt sich nicht das überweltlich Große,
Gestalte Gestaltenreiche , bald gestaltenlose?
Wie leicht und zierlich, klar und zart gewoben,
Schwebt, Seraphgleich, aus ernster Wolcken Wolken Chor,
Als glich es Ihr, am blauen Aether droben,
Ein schlanck schlank Gebild aus leichtem Duft empor;
So sahst du Sie in frohem Tanze walten
Die lieblichste der lieblichsten Gestalten.
Doch nur Momente darfst dich unterwinden
Ein Luftgebild statt Ihrer fest zu halten;
Ins Herz zurück, dort wirst du's besser finden,
Dort regt sie sich in wechselnden Gestalten;
Zu vielen Vielen bildet eine Eine sich hinüber,
So tausendfach, und immer immer lieber.
Wie zum Empfang Sie an den Pforten weilte
Und mich von dannauf stufenweis beglückte;
Selbst nach dem letzten Kuß mich noch ereilte,
Den letztesten mir auf die Lippen drückte:
So klar beweglich bleibt das Bild der Lieben,
Mit Flammenschrifft, Flammenschrift, ins treue Herz geschrieben.
Ins Herz, das fest wie zinnenhohe Mauer
Sich Ihr bewahrt und Sie in sich bewahret,
Für Sie sich freut an seiner eignen Dauer,
Nur weiß von sich wenn Sie Sich offenbaret,
Sich freyer freier fühlt in so geliebten Schrancken Schranken
Und nur noch schlägt schlägt , für alles Ihr zu danken.
War Fähigkeit zu lieben, war Bedürfen
Von Gegenliebe weggelöscht, verschwunden;
Ist Hoffnungslust zu freudigen Entwürfen,
Entschlüßen, rascher That sogleich gefunden!
Wenn Liebe je den Liebenden begeistet,
Ward es an mir auf's lieblichste geleistet;
Und zwar durch Sie! - Wie lag ein innres Bangen
Auf Geist und Körper, unwillkommner Schwere;
Von Schauerbildern rings der Blick umfangen
Im wüsten Raum beklommner Herzensleere;
Nun dämmert Hoffnung von bekannter Schwelle,
Sie selbst erscheint in milder Sonnenhelle.
Dem Frieden Gottes, welcher euch hienieden
Mehr als Vernunft beseliget - wir lesen's -
Vergleich ich wohl der Liebe heitern Frieden
In Gegenwart des allgeliebten Wesens;
Da ruht das Herz, und nichts vermag zu stören
Den tiefsten Sinn, den Sinn Ihr zu gehören.
In unsers Busens Reine wogt ein Streben
Sich einem höhern, reinern, unbekannten,
Aus Dankbarkeit freywillig freiwillig hinzugeben,
Enträthselnd sich den ewig Ungenannten;
Wir heißen's: fromm seyn! - Solcher seligen Höhe
Fühl' ich mich theilhaft wenn ich vor Ihr stehe.
Vor Ihrem Blick, wie vor der Sonne Walten,
Vor Ihrem Athem, wie vor Frühlingslüften,
Zerschmilzt, so längst sich eisig starr gehalten,
Der Selbstsinn tief in winterlichen Grüften;
Kein Eigennutz, kein Eigenwille dauert,
Vor Ihrem Kommen sind sie weggeschauert.
Es ist als wenn Sie sagte: "Stund' um Stunde
Wird uns das Leben freundlich dargeboten,
Das Gestrige ließ uns geringe Kunde,
Das Morgende ! Zu , zu wissen ist's verboten;
Und wenn ich je mich vor dem Abend scheute,
Die SOnne sank und sah noch was mich freute.
Drum thu' wie ich Ich und schaue, froh verständig,
Dem Augenblick in's Auge! Kein Verschieben!
Begegn' ihm schnell, wohlwollend wie lebendig,
Im Handeln sey's, zur Freude, sey's dem Lieben;
Nur wo du bist sey alles, immer kindlich,
So bist du alles, bist unüberwindlich."
Du hast gut reden dacht' ich, zum Geleite
Gab dir ein Gott die Gunst des Augenblicks,
Und jeder fühlt an deiner holden Seite
Sich Augenblicks den Günstling des Geschicks;
Mich schreckt der Wink von Dir mich zu entfernen
Was hilft es mir so hohe Weisheit lernen!
Nun bin ich fern! Der jetzigen Minute
Was ziemt denn der? Ich wüßt' es nicht zu sagen;
Sie bietet mir zum Schönen manches Gute,
Das lastet nur, ich muß mich ihm entschlagen;
Mich treibt umher ein unbezwinglich Sehnen,
Da bleibt kein Rath als gränzenlose Thränen.
So quellt denn fort! und fließet unaufhaltsam;
Doch nie geläng's die innre Glut zu dämpfen!
Schon rast's und reißt in meiner Brust gewaltsam,
Wo Tod und Leben grausend sich bekämpfen.
Wohl Kräuter gäb's des Körpers Quaal Qual zu stillen;
Allein dem Geist fehlt's am Entschluß und Willen,
Fehlt's am Begriff: wie sollt' er Sie vermißen?
Er wiederholt Ihr Bild zu tausendmalen.
Das zaudert bald, bald wird es weggerissen,
Undeutlich jetzt und jetzt im reinsten Stralen;
Wie könnte dies dieß geringstem Troste frommen?
Die Ebb' und Flut, das Gehen wie das Kommen!
Verlaßt mich hier, getreue Weggenoßen!
Laßt mich allein am Fels, in Moor und Moos;
Nur immer zu! euch ist die Welt erschlossen,
Die Erde weit, der Himmel hehr und groß;
Betrachtet, forscht, die Einzelnheiten sammelt,
Naturgeheimniß werde nachgestammelt.
Mir ist das All, ich bin mir selbst verloren,
Der ich noch erst den Göttern Liebling war;
Sie prüften mich, verliehen mir Pandoren,
So reich an Gütern, reicher an Gefahr;
Sie drängten mich zum gabeseligen Munde,
Sie trennen mich, und richten mich zu Grunde.
Und wenn der Mensch in seiner Quaal verstummt
Gab mir ein Gott zu sagen was ich leide
Was soll ich nun von Wiedersehen hoffen?
Von dieses Tages noch geschlossner Blüte?
Das Paradies, die Hölle steht dier dir offen,
Wie wankelsinnig regt sich's ein Gemüthe ; ! -
Kein Zweifeln mehr! Sie tritt aus Himmelsthor,
Zu ihrem ihren Armen hebt sie dich empor.
So warst du dann im Paradies empfangen
Als wärst du werth des ewig schönen Lebens;
Diir Dir blieb kein Wunsch, kein Hoffen, kein Verlangen,
Hier war das Ziel des innigstens Bestrebens,
Und in dem Anschaun dieses einzig Schoenen,
Versiegte gleich der Quell sehnsüchtiger Thränen.
Wie regte nicht der Tag die raschen Flügel,
Schien die Minuten vor sich her zu treiben!
Der Abendkuß, ein treu verbindlich Siegel,
So wird es auch der nächsten Sonne bleiben.
Die Stunden gleichen sich in zarten Wandern
Wie Schwestern zwar doch keine ganz den andern.
Der Kuß der letzte, grausam süß, zerschneidend
Ein herrliches Geflecht verschlungner Mienen;
Nun eilt, nun stockt der Fuß die Schwelle meidend,
Als trieb ein Cherub flammend ihn von hinnen.
Das Auge starrt auf düstern Pfad verdrossen,
Es blickt zurück die Pforte steht verschlossen.
Und nun verschlossen in sich selbst, als hätte
Dies Herz sich nie geöffnet, g selige Stunden,
Mit jedem Stern des Himmels um die Wette,
An Ihrer Seite leuchtend nicht empfunden;
Und Mismuth,Reue, Vorwurf, Sorgenschweere
Belastens nun in schwüler Atmosphäre.
Ist denn die Welt nicht übrig? - Felsenwände
Sind S sie nicht mehr gekrönt von heilgen Schatten?
Die Erndte reift sie nicht? Ein grün Gelände
Zieht sich's nicht hin am Fluß durch Busch v. Matten?
Und wölbt sich nicht das überweltlich Große,
Gestaltet bald und bald gestaltentose?
Wie leicht und zierlich, klar und zart gewoben,
Schwebt, Seraphgleich, auf ernster Wolken Chor,
Als glich es Ihr, den blauen Aether droben,
Ein schlanck Gebild aus lichtem Duft empor;
So sahst du sie Sie im frohen in frohem Tanze walten
Die lieblichste der lieblichsten Gestalten.
Doch nur Momente darfst dich unterwinden
Ein Luftgebild statt Ihrer fest zu halten.
In's Herz zurück! dort wirst du's besser finden,
Dort regt Sie Sich wechselnden Gestalten;
Zu Vielen bildet Eine Sich hinüber,
So tausendfach, und immer immer lieber.
Wie zum Empfang Sie an den Pforten weilte
Und mich von dannauf Stufenweis beglückte;
Selbst noch dem letzten Kuß mich noch ereilte,
Den letztezsten mir auf die Lippen drückte;
So klar beweglich bleibt das Bild der Lieben,
Mit Flammenschrift in's treue Herz geschrieben.
In's Herz das fest wie zinnenhohe Mauern
Sich Ihr bewahrt und Sie in sich bewahret,
Für Sie sich freut an seiner eignen Dauer,
Nur weis von sich wenn Sie Sich offenbaret;
Sich freyer fühlt in so geliebten Schrancken
Und nur noch schlägt für alles Ihr zu dancken.
War Fähigkeit zu lieben, war Bedürfen
Von Gegenliebe weggelöscht, verschwunden;
Ist Hoffnungslust zu freudigen Entwürfen,
Entschlüssen, rascher That sogleich gefunden!
Wenn Liebe je den Liebenden begeistet
Ward es an mir auf's lieblichste geleistet;
Und zwar durch Sie! - Wie lag ein innres Bangen
Auf Geist und Körpel Körper , unwillkommner Schweere;
Von Schauerbildern rings der Blitz Blick umfangen
Im wüsten Raum beklommner Herzensleere;
Nun dämmert Hoffnung von bekannter Schwelle,
Sie selbst erscheint in milder Sonnenhelle.
Dem Frieden Gottes, welcher euch hienieden
Mehr als Vernunft beseliget - wir lesen's -
Vergleich ich wohl der Liebe heitern Frieden
In Gegenwart des allgeliebten Wesens;
Da ruht das Herz, und nichts vermag zu stören
Den tiefsten Sinn, den Sinn Ihr zu gehören.
In unsers Busens Reine wogt ein Streben
Sich einem höhern, reinen, unbekannten,
Aus Dankbarkeit freiwillig hinzugeben
Enträthselnd sich den el ewig ungenannten;
Wir heisen's: fromm seyn! - Solcher seligen Höhe
Fühlt ich mich theilhaft wenn ich vor Ihr stehe.
Vor Ihrem Blick, wie vor der Sonne Walten,
Vor Ihrem Athem, wie vor Frühlingslüften,
Zerschmilzt, so längst sich eisig starr gehalten,
Der Selbstsinn tief in winterlichen Grüften;
Kein Eigennutz, kein Eigenwille dauert.
Vor Ihrem Kommen sind sie weggeschauert.
Es ist als wenn Sie sagte: Stund um Stunde
Wird uns das Leben freundlich dargeboten,
Das Gestrige lies uns geringe Kunde,
Das Morgende! Zu wissen ist's verboten;
Und wenn ich je mich vor dem Abend scheute,
Die Sonne sank und sah noch was mich freute.
Drum thu wie ich und schaue, froh verständig,
Dem Augenblick ins's Auge! Kein Verschie Verschieben!
Begegn' ihm schnell, wohlwollend wie lebendig,
Im Handeln sey's, zur Freude, sey's dem Lieben;
Nur wo du bist sey alles, immer kindlich,
So bist du alles, bist unüberwindlich."
Du hast gut reden dacht' ich, Zum Geleite
Gab dir ein Gott die Gunst des Augenblickes
Und jeder fühlt, an deiner holden Seite,
Sich Augenblicks den Günstling das Geschickes;
Mich schreckt der Winck von dir mich zu entfernen,
Was hilft es mir so hohe Weisheit lernen!
Nun bin ich hier! Der jetzigen Minute,
Was ziemt denn der? Ich wüßt es nicht zu sagen;
Sie bietet mir zum Schönen manches Gute,
Das lastet nur, ich muß mich ihm entschlagen.
Mich treibt umher ein unbezwinglich Sehnen,
Da bleibt kein Rath als gränzenlose Thränen.
So quellt denn fort! und fließet unaufhaltsam;
Doch nie gelängs die innre Glut zu dämpfen!
Schon raßt's und reißt in meiner Brust gewaltsam,
Wo Tod und Leben grausend sich bekämpfen.
Wohl Kräuter gäb's des Körpers Quaal zu stillen;
Allein dem Geist fehlt's am Entschluß und Willen;
Fehlt's am Begriff: wie sollt er Sie vermissen?
Er wiederholt Ihr Bild zu tausend malen.
Das zautert bl bald, bald wird es weggerissen,
Undeutlich jetzt und jetzt im reinsten Stralen;
Wie könnte dies geringstem Troste frommen?
Die Ebb und Flut, das Gehen wie das Kommen!
Verlaßt mich hier, getreue Weggenossen!
Laßt mich allein am Fels, in Moor und Moos;
Nur immer zu! euch ist die Welt erschlossen,
Die Erde weit, der Himmel hehr und gros;
Betrachtet, forscht, die Einzelnheiten sammelt,
Naturgeheimniß werde nachgestammelt.
Mir ist das All, ich bin mir selbst verlohren,
Der ich noch erst den Göttern Liebling war;
Sie prüften mich verliehen mir Pandoren,
So reich an Gütern, reicher an Gefahr;
Sie drängten mich zum gabeseligen Munde,
Sie trennen mich und richten mich zu Grunde.
Was soll ich nun vom Wiedersehen hoffen?
Von dieses Tages noch geschlossner Blüte?
Das Paradies, die Hölle steht dir offen,
Wie wanckelsinnig regt sich's im Gemüthe! -
Kein Zweifeln mehr! Sie tritt an's Himmelsthor,
Zu Ihren Armen hebt Sie dich empor.
So warst du denn im Paradies empfangen
Als wärst du werth des ewig schoenen Lebens;
Dir blieb kein Wunsch, kein Hoffen, kein Verlangen,
Hier war das Zeil des innigsten Bestrebens,
Und in dem Anschaun dieses einzig Schoenen
Versiegte gleich der Quell sehnsüchtiger Thränen.
Wie regte nicht der Tag die raschen Flügel,
Schien die Minuten vor sich her zu treiben!
Der Abendkuss, ein treu verbindlich Siegel
So wird es auch der nächsten Sonne bleiben.
Die Stunden glichen sich in zartem Wandern
Wie Schwestern zwar doch keine ganz den andern.
Der Kuß der letzte, grausam süss, zerschneidend
Ein herrliches Geflecht verschlungner Mienen;
Nun eilt, nun stockt der Fuß die Schwelle meidend,
Als trieb ein Cherub flammend ihn von hinnen;
Das Auge starrt auf düstrem Pfad verdrossen,
Es blickt zurück die Pforte steht verschlossen.
Und nun verschlossen in sich selbst, als hätte
Dies Herz sich nie geöffnet, selige Stunden,
Mit jedem Stern des Himmels um die Wette,
An Ihrer Seite leuchtend nicht empfunden;
Und Mismuth, Reue, Vorwurf, Sorgenschweere
Belastens nun in schwüler Atmosphaere.
Ist denn die Welt nicht übrig? - Felsenwände
Sind sie nicht mehr gekrönt von heiligen Schatten?
Die Erndte reift sie nicht? Ein grün Gelände
Zieht sich's nicht hin am Fluß durch Busch u. Matten?
Und wölbt sich nicht das überweltlich Große,
Gestaltet bald und bald Gestaltenreiche, nun gestaltenlose?
Wie leicht und zierlich, klar und zart gewoben,
Schwebt, Seraphgleich, aus ernster Wolcken Chor,
Als glich es Ihr, am blauen Aether droben,
Ein schlanck Gebild aus lichtem Duft empor;
So sahst du Sie in frohem Tanze walten
Die lieblichste der lieblichsten Gestalten.
Doch nur Momente darfst dich unterwinden
Ein Luftgebild statt Ihrer fest zu halten;
In's Herz zurück! dort wirst du's besser finden,
Dort regt sie sich in wechselnden Gestalten;
Zu vielen Vielen bildet Eine sich hinüber,
So tausendfach, und immer immer lieber.
Wie zum Empfang Sie an den Pforten weilte
Und mich von dannauf stufenweis beglückte;
Selbst nach dem letzten Kuß mich noch ereilte,
Den letztesten mir auf die Lippen drückte;
So klar beweglich bleibt das Bild der Lieben;
Mit Flammenschrift in's treue Herz geschrieben.
In's Herz das fest wie zinnenhohe Mauer
Sich Ihr bewahrt und Sie in sich bewahret,
Fur sie sich freut an seiner eignen Dauer,
Nur weis von sich wenn sie sich offenbaret;
Sich freyer fühlt in so geliebten Schrancken
Und nur noch schlägt für alles Ihr zu dancken.
War Fähigkeit zu lieben, war Bedürfen
Von Gegenliebe weggelöscht, verschwunden;
Ist Hoffnungslust zu freudigen Entwürfen,
Entschlüssen, rascher That sogleich gefunden!
Wenn Liebe je den Liebenden begeistet
Ward es an mir auf's lieblichste geleistet;
Und zwar durch Sie!- Wie lag ein innres Bangen
Auf Geist und Körper, unwillkommner Schweere;
Von Schauerbildern rings der Blick umfangen
Im wüsten Raum beklommner Herzensleere;
Nun dämmert Hoffnung von bekannter Schwelle,
Sie selbst erscheint in milder Sonnenhelle.
Dem Frieden Gottes, welcher euch hienieden
Mehr als Vernunft beseliget - wir lesen's -
Vergleich ich wohl der Liebe heitern Frieden
In Gegenwart des allgeliebten Wesens;
Da ruht das Herz, und nichts vermag zu stören
Den tiefsten Sinn, den Sinn Ihr zu gehören.
In unsers Busens Reine wogt ein Streben
Sich einem höhern, reinern, unbekannten,
Aus Danckbarkeit freywillig hinzugeben
Enträthselnd sich den ewig ungenannten;
Wir heißen's: fromm seyn!- Solcher seligen Höhe
Fühl ich mich theilhaft wenn ich vor Ihr stehe.
Vor Ihrem Blick, wie vor der Sonne Walten,
Vor Ihrem Athem, wie vor Frühlingslüften
Zerschmilzt, so längst sich eisig starr gehalten,
Der Selbstsinn tief in winterlichen Grüften;
Kein Eigennutz, kein Eigenwille dauert;
Vor Ihrem Kommen sind sie weggeschauert.
Es ist als wenn sie sagte: Stund um Stunde
Wird uns das Leben freundlich dargeboten,
Das Gestrige lies uns geringe Kunde,
Das Morgende! Zu wissen ist ist's verboten;
Und wenn ich je mich vor dem Abend scheute,
Die Sonne sanck und sah noch was mich freute.
Drum thu wie Ich und schaue, froh verständig,
Dem Augenblick in's Auge! Kein Verschieben!
Begegn' ihm schnell, wohlwollend wie lebendig,
Im Handeln sey's, zur Freude, sey's dem Lieben;
Nur wo du bist sey alles, immer kindlich,
So bist du alles, bist unüberwindlich."
Du hast gut reden dacht' ich, Zum Geleite
Gab dir ein Gott die Gunst des Augenblickes,
Und jeder fühlt, an deiner holden Seite,
Sich Augenblicks den Günstling des Geschickes;
Mich schreckt der Winck von Dir mich zu entfernen,
Was hilft es mir so hohe Weisheit lernen!
Nun bin ich fern! Der jetzigen Minute
Was ziemt denn der? Ich wüßt es nicht zu sagen;
Sie bietet mir zum schönen manches Gute,
Das lastet nur, ich muß mich ihm entschlagen.
Mich treibt umher ein unbezwinglich Sehnen,
Da bleibt kein Rath als gränzenlose Thraenen.
So quellt denn fort! und fließet unaufhaltsam;
Doch nie gelängs die innre Glut zu dämpfen!
Schon raßt's und reißt in meiner Brust gewaltsam,
Wo Tod und Leben grausend sich bekämpfen.
Wohl Kräuter gaeb es gaeb's des Körpers Quaal zu stillen;
Allein dem Geist fehlt's am Entschluß und Willen;
Fehlt's am Begriff: wie sollt er Sie vermissen?
Er wiederholt Ihr Bild zu tausend malen.
Das zaudert bald, bald wird es weggerißen,
Undeutlich jetzt und jetzt im reinsten Stralen;
Wie könnte dies geringstem Froste frommen?
Die Ebb' und Flut, das Gehen wie das Kommen!
Verlasst mich hier, getreue Weggenoßen!
Laßt mich allein am Fels, in Moor und Moos;
Nur immer zu! euch ist die Welt erschlossen,
Die Erde weit, der Himmel hehr und gros;
Betrachtet, forscht, die Einzelnheiten sammelt,
Naturgeheimniß werde nachgestammet nachgestammelt .
Mir ist das All, ich bin mir selbst verlohren,
Der ich noch erst den Göttern Liebling war;
Sie prüften mich verliehen mir Pandoren,
So reich an Gütern, reicher an Gefahr;
Sie drängten mich zum gabeseligen Munde,
Sie trennen mich, und richten mich zu Grunde.
Dem Frieden Gottes, welcher Euch hienieden
Mehr als Vernunft beseliget - wir lesens -
Vergleiche ich wohl der Liebe heitern Frieden
In Gegenwart des allgeliebten Wesens;
Da ruht das Herz und nichts vermag zu Stören
Den tiefsten Sinn, den Sinn ihr zu gehören.
In jeden unsre Busens reine Reine wohnt wogt ein Streben
Sich einem höhern, reinern, unbekannten,
Aus Danckbarkeit freywillig hinzugeben,
Enträthselnd sich den ewig ungenannten;
Wie heißens fromm seyn! - solcher selgen Höhe
Fühl ich mich theilhaft wenn ich vor ihr stehe.
Vor Ihrem Blick, wie vor der Sonne Walten,
Vor Ihrem Athem wie vor Morgenlüften Frühlingslüften
erbebt zerfliest zerschmilzt , so längst versteint sich sich eisig sich starr gehalten,
Der Selbstsinn tief in labyrinthschen winterlichen Grüften;
Kein Eigensinn Eigennutz kein Eigenwille dauert;
Vor Ihrem Schritt Kommen sind sie hinweggeschauert weggeschauert .
Es ist als wenn sie sagte: Stund' um Stunde
Wird uns das Leben freundlich dargeboten;
Das Gestrige lies uns geringe Kunde,
Das Morgende! zu wissen ists verboten;
Und wenn du ich je dich mich vor dem Abend scheuest scheute
Ganz anders wirds so dass du dich erfreuest Die Sonne sanck und sah daß ich noch was mich freute .
Drum thu wie ich, und schaue froh verständig
Dem Augenblick in's Auge; seinen Trieben kein Verschieben!
Begegne Begegn' ihm schnell in jedem Sinn wohlwollend wie lebendig,
Dem Im Handeln sey's, der zur Freude, sey's dem Lieble;
Und Nur wo du bist sey alles, immer kindlich
So bist du alles, bist unüberwindlich.

Handschriften und Drucke

Sigle Titel Überlieferungsform
🚧 30/443,1 , 🚧
🚧 C.1 2 🚧 Druck
🚧 KuA 5,2 🚧 Druck
🚧 H.152 [ohne Titel], Reinschrift Reinschrift
🚧 C3 3 🚧 Druck
🚧 25/W 2970 Aufsätze über Kunst und A … 🚧
🚧 25/W 2968 Aufsätze über Kunst und A … 🚧
🚧 25/W 2967 Aufsätze über Kunst und A … 🚧
🚧 Hs-20195 Elegie, Konzept Konzept
🚧 H.154 🚧 🚧
🚧 H.148 Lyrisches, … Abschrift
🚧 25/W 142 Elegie, Abschrift Abschrift
🚧 H.153 Elegie, Reinschrift Reinschrift
🚧 H.152 Elegie, Reinschrift (Frag … Reinschrift

Kontexte

Relation Bezugsentität Quelle
verfasst von Johann Wolfgang Goethe 30/443,1, H.152, 25/W 2970, 25/W 2968, 25/W 2967, Hs-20195, H.154, H.148, 25/W 142, H.153, H.152 , C.1 2, KuA 5,2, C3 3
hat Bezug zu Friedr. Krauses 25/W 142
überliefert in 11 Handschriften 30/443,1, H.152, 25/W 2970, 25/W 2968, 25/W 2967, Hs-20195, H.154, H.148, 25/W 142, H.153, H.152
überliefert in 3 Drucken C.1 2, KuA 5,2, C3 3
Teil von Lyrisches H.148
Vorheriger Nachbar in der Überlieferung Der Mensch erfährt, er sei auch wer er mag 30/443,1
Vorheriger Nachbar in der Überlieferung An Werther H.148
Nächster Nachbar in der Überlieferung Eins und Alles C.1 2, C3 3
Nächster Nachbar in der Überlieferung Aussöhnung H.148