»Amor bleibet ein Schalk …«

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Art des Textes
Gedicht
Titel (normiert, vorläufig)
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Gedichtanfang (normiert, vorläufig)
»Amor bleibet ein Schalk …«
Quelle der vorläufigen Titeldaten
WA I 1,249
Kennung in der Forschungsdatenbank so:fie
93105

Historisch überlieferte Fassungen

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XIII.

Synoptische Ansicht nicht verfügbar

Amor bleibet ein Schalk, und wer ihm vertraut ist betrogen!
Heuchelnd kam er zu mir. "traue mir dießmal nur dießmal nur traue mir noch.
Redlich meyn' ichs mit dir, du fast die Leben und dichten,
Dankbar erkenn' ich es wohl, meiner Verehrung gewicht.
Siehe, dir bin ich nun gar nach Rom gefolgt, ich möchte
Dir im fremden Gebiet gern was gefälliges thun.
Jeder Reisende klagt, er finde schlechte Bewirthung;
Welchen Amor empfiehlt köstlich bewirthet ist er.
Du verehrtest noch mehr die werthen Reste des Bildens
Einziger Künstler, die ich stets stets ich in der Werkstatt besucht.
Diese Gestalten, ich lehrte formte sie formen selbst . ! Verzeih mir, ich prahle
Dießmal nicht, du gestehst, was ich dir sage sey wahr.
Nun du mir läßigen dienst, wo sind die schönen Gestalten,
Wo die Farben, der Glanz deiner Erfindungen hin?
Denkst du nun wieder zu bilden; o Freund! die Schule der Griechen
Blieb noch offen, das Thor schlossen die Jahre nicht zu.
Ich der Lehrer bin ewig jung und liebe die Jungen.
Altklug lieb' ich dich nicht! Munter! Begreife mich wohl!
War das Antike doch nun, da jene Glücklichen lebten,
Lebe glücklich und so lebe die Vorzeit in dir.
Stoff zum Liede, wo nimmst du ihn her? Ich muß dir ihn geben
Und den höheren Styl lehret die Liebe dich nur."
Also sprach der Sophist. Wer wiederspräch' ihm? und leider
Bin ich zu folgen gewöhnt, wenn der Gebieter befiehlt. -
Nun verrätherisch hält er sein Wort, giebt Stoff zu Gesängen,
Ach! und raubt mir die Zeit, Kraft und Besinnung zugleich.
Blicke Blick und Hände druck, und Küsse, gemüthliche Worte,
Sylben köstlichen Sinns wechselt ein liebendes Paar.
Da wird ein Lispeln Geschwätze Geschwätz , da wird ein Stottern zur Rede,
Solch ein Hymnus verhallt ohne prosodisches Maaß.
Dich Aurora, wie kannt' ich dich sanft als Freundinn der Musen!
Hat Aurora dich auch Amor der lose verführt?
Du erscheinest mir nun als seine Freundinn und weckest
Mich an seinem Altar, wieder zum festlichen Tag.
Find ich die Fülle der Locken an meinem Busen! das Köpfchen
Ruhet und drücket den Arm, der sich dem Halse bequemt.
Welch ein freudig Erwachen! Erhieltet ihr ruhige Stunden
Mir das Denkmal der Lust, die sanft in den Schlaf uns gewiegt. -
Sie bewegt sich im Schlummer, und sinkt auf die Breite des Lagers
Wegggewendet, und doch läßt sie mir Hand noch in Hand.
Herzliche Liebe verbindet uns stets und treues Verlangen,
Und den Wechsel behielt nur die Begierde sich vor.
Einen Druck der Hand, ich sehe die himlischen Augen
Wieder offen. - O nein! Laßt auf der Bildung mich ruhn!
Bleibt geschlossen! ihr macht mich verworren verwirrt und trunken, ihr raubet
Mir den stillen Genuß reiner Betrachtung zu früh.
Diese Formen wie groß! wie edel gewendet die Glieder!
Schlief Ariadnen so schön, Theseus du konntest entfliehn?
Diesen Lippen ein einziger Kuß! O Theseus, und scheide!
Blick ihr ins Auge! Sie wacht! - Ewig nun hält sie dich fest.

Handschriften und Drucke

Sigle Titel Überlieferungsform
🚧 H.5a Gedichtsammlung von 1815, … revidiertes Druckexemplar
🚧 H.5 Elegien. I, Abschrift Abschrift

Kontexte

Relation Bezugsentität Quelle
verfasst von Johann Wolfgang Goethe H.5a, H.5
überliefert in 2 Handschriften H.5a, H.5
Teil von Gedichtsammlung von 1815 H.5a
Teil von Elegien. I H.5
Vorheriger Nachbar in der Überlieferung Hörest du, Liebchen H.5a, H.5
Nächster Nachbar in der Überlieferung Zünde mir Licht an, Knabe! H.5a, H.5