Lange Tag’ und Nächte stand mein Schiff befrachtet,
Günst’ger Winde harrend, saß mit treuen Freunden,
Mir Geduld und guten Muth erzechend,
Ich im Hafen.
Und sie waren doppelt ungeduldig:
Gerne gönnen wir die schnellste Reise,
Gern die hohe Fahrt dir; Güterfülle
Wartet drüben in den Welten deiner,
Wird Rückkehrendem in unsern Armen
Lieb’ und Preis dir.
Und am frühen Morgen ward’s Getümmel,
Und dem Schlaf entjauchzt uns der Matrose,
Alles wimmelt, alles lebet, webet,
Mit dem ersten Segenshauch zu schiffen.
Und die Segel blühen in dem Hauche,
Und die Sonne lockt mit Feuerliebe,
Ziehn die Segel, ziehn die hohen Wolken,
Jauchzen an dem Ufer alle Freunde
Hoffnungslieder nach, im Freudetaumel
Reisefreuden wähnend, wie des Einschiffmorgens,
Wie der ersten hohen Sternennächte.
Aber gottgesandte Wechselwinde treiben
Seitwärts ihn der vorgesteckten Fahrt ab,
Und er scheint sich ihnen hinzugeben,
Strebet leise sie zu überlisten,
Treu dem Zweck auch auf dem schiefen Wege.
Aber aus der dumpfen, grauen Ferne
Kündet leisewandelnd sich der Sturm an,
Drückt die Vögel nieder auf’s Gewässer,
Drückt der Menschen schwellend Herz darnieder,
Und er kommt. Vor seinem starren Wüthen,
Streckt der Schiffer klug die Segel nieder;
Mit dem angsterfüllten Balle spielen
Wind und Wellen.
Und an jenem Ufer drüben stehen
Freund’ und Lieben, beben auf dem Festen:
Ach warum ist er nicht hier geblieben!
Ach der Sturm! Verschlagen weg vom Glücke!
Soll der Gute so zu Grunde gehen?
Ach er sollte, ach er könnte! Götter!
Doch er stehet männlich an dem Steuer;
Mit dem Schiffe spielen Wind und Wellen;
Wind und Wellen nicht mit seinem Herzen:
Herrschend blickt er auf die grimme Tiefe,
Und vertrauet, scheiternd oder landend,
Seinen Göttern.
| Sigle | Titel | Überlieferungsform | |
|---|---|---|---|
| H.5b | Gedichtsammlung von 1815, … | revidiertes Druckexemplar | |
| H.27a | Gedichtsammlung, Abschrif … | Abschrift | |
| H.79d | Seefahrt (V. 1-21, 27-46) … | Abschrift | |
| Hagen-Nr. 554 | 🚧 | Druck | |
| H.79a | Seefahrt … | Abschrift | |
| H.79e | Seefahrt, Abschrift | Abschrift | |
| H.79b | Seefahrt, Abschrift Johan … | Abschrift | |
|
H.2 | Erste Weimarer Gedichtsam … | Reinschrift |
| S 8 | Goethe’s Schriften. Achte … | Druck | |
| H.79c | Seefahrt, … | Abschrift | |
|
H.10:2 | Sammlung von Gedichten un … | Abschriften |
|
H.4 | Vermischte Gedichte, … | Reinschrift |
| H.20 | Gedichtsammlung (Sammelha … | Gedichtsammlung (Sammelhandschrift) |
| Relation | Bezugsentität | Quelle |
|---|---|---|
| verfasst von | Johann Wolfgang Goethe | H.5b, H.27a, H.79d, H.79a, H.79e, H.79b, H.2, H.79c, H.10:2, H.4, H.20 , Hagen-Nr. 554, S 8 |
| hat Bezug zu | Wielands, Merck | H.79d |
| hat Bezug zu | J. H. Merck | H.79c |
| datiert auf | 11. September 1776 | Brüning/Henke 2025 |
| überliefert in | 11 Handschriften | H.5b, H.27a, H.79d, H.79a, H.79e, H.79b, H.2, H.79c, H.10:2, H.4, H.20 |
| überliefert in | 2 Drucken | Hagen-Nr. 554, S 8 |
| Teil von | Gedichtsammlung von 1815 | H.5b |
| Teil von | Vermischte Gedichte, Zweyte Sammlung | H.4 |
| Vorheriger Nachbar in der Überlieferung | Wandrers Sturmlied | H.5b |
| Vorheriger Nachbar in der Überlieferung | Königlich Gebet | H.27a, H.2 |
| Vorheriger Nachbar in der Überlieferung | An Schwager Kronos | S 8, H.4 |
| Vorheriger Nachbar in der Überlieferung | Bundeslied | H.10:2 |
| Vorheriger Nachbar in der Überlieferung | Vom Berge | H.20 |
| Nächster Nachbar in der Überlieferung | Adler und Taube | H.5b, S 8, H.4 |
| Nächster Nachbar in der Überlieferung | Der Wandrer | H.27a, H.2 |
| Nächster Nachbar in der Überlieferung | Liebebedürfniß | H.10:2 |
| Nächster Nachbar in der Überlieferung | Monolog des Liebhabers | H.20 |